Barista-Wissen

Espresso-Geheimnis: Warum die Mühle oft wichtiger ist!

Eine Espressomaschine für Espresso wie ein Profi-Barista ist nicht billig. Das ist leider so. Doch was ist, wenn 1.000, 2.000 oder sogar 3.000 Euro in die neue Maschine geflossen sind, der Espresso zu bitter oder flach und ohne Körper ist? Liegt es an einem Bedienfehler, weil die Eigenheiten der neuen Espressomaschine noch unbekannt sind? Nicht zwangsläufig, denn der Hauptverdächtige könnte auch schnell die Espressomühle sein. Denn die Bedeutung einer guten Mühle wird leider immer noch oft unterschätzt.

Warum die Mühle (manchmal) wichtiger ist als die Maschine

Es gibt Baristi, die behaupten eine Kombination aus einer teuren Espressomühle und einer günstigen Espressomaschine, würde immer besseren Kaffee machen als bei umgekehrten finanziellen Verhältnissen. Da kann durchaus etwas Wahres dran sein, denn die Feinheit des Mahlgrades hat zum Beispiel entscheidenden Einfluss auf die Extraktionszeit und diese wiederum wirkt sich entscheidend auf den Geschmack aus. Umgekehrt ruiniert unregelmäßig gemahlener Kaffee den Espresso selbst bei hochwertigen Espressomaschinen.

Kurz, wer sein Budget nur mit Blick auf die Espressomaschine ausgibt, und dann an der Mühle sparen muss, wird mit dem Ergebnis in der Tasse nicht zufrieden sein.

Warum der Mahlgrad so entscheidend ist

Espresso ist ein sensibles Produkt. Während Filterkaffee oft kleine Ungenauigkeiten verzeiht, reagiert Espresso bereits auf minimale Veränderungen beim Mahlgrad deutlich. Ist das Kaffeepulver zu grob gemahlen, fließt das Wasser zu schnell durch das Kaffeemehl. Das Ergebnis ist ein dünner, säurebetonter Espresso mit wenig Körper. Ist der Mahlgrad dagegen zu fein, läuft der Espresso zu langsam oder gar nicht mehr durch den Siebträger. Bittere Noten und eine unangenehme Überextraktion sind die Folge.

Eine gute Espressomühle ermöglicht deshalb nicht nur feines Mahlen, sondern vor allem präzise und reproduzierbare Einstellungen. Bereits kleine Anpassungen am Mahlgrad können den Unterschied zwischen durchschnittlichem und hervorragendem Espresso ausmachen.

Gleichmäßigkeit schlägt Geschwindigkeit

Viele Käufer achten zunächst auf die Geschwindigkeit der Mühle oder auf möglichst viele Komfortfunktionen wie die Lautstärke. Dabei ist vor allem die Gleichmäßigkeit des Mahlguts entscheidend. Hochwertige Espressomühlen produzieren möglichst homogene Kaffeepartikel. Das sorgt dafür, dass das Wasser den Kaffee gleichmäßig extrahieren kann.

Billige oder ungeeignete Mühlen erzeugen dagegen häufig unterschiedlich große Partikel. Während die feinen Bestandteile bereits überextrahieren, werden größere Partikel noch unterextrahiert. In der Tasse entsteht dadurch ein unausgewogener Espresso, dem Klarheit, Süße und Struktur fehlen.

Warum einfache Kaffeemühlen für Espresso oft nicht ausreichen

Nicht jede Kaffeemühle eignet sich automatisch für Espresso. Gerade günstige Schlagmesser-Mühlen sind für die Espressozubereitung ungeeignet. Sie zerkleinern die Bohnen ungleichmäßig und bieten keine präzise Einstellung des Mahlgrades. Selbst professionelle Handmühlen stoßen hier an ihre Grenzen und Omas alte Kurbel-Kaffeemühle sollte man lieber im Regal stehen lassen. Diese Mühlen eigenen sich eher für die Zubereitung als Filterkaffee oder mit der French Press.

Scheibenmahlwerk oder Kegelmahlwerk?

Bei Espressomühlen kommen hauptsächlich zwei Mahlwerkstypen zum Einsatz: Scheibenmahlwerke und Kegelmahlwerke. Scheibenmahlwerke arbeiten mit zwei übereinanderliegenden Mahlscheiben. Sie liefern ein sehr gleichmäßiges Mahlgut und werden häufig in der Gastronomie oder bei ambitionierten Home-Baristi eingesetzt. Besonders größere Scheibenmahlwerke überzeugen durch hohe Präzision und konstante Ergebnisse. Man kann sie durchaus als den Standard bei guten Espressomühlen bezeichnen. Zwar haben auch Kegelmahlwerke ihre Fans, oft aber eher im Zusammenhang mit Kaffeevollautomaten.

Die Frische zählt doppelt

Eine gute Mühle kann nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn auch die Bohnen frisch sind. Kaffee verliert nach dem Mahlen innerhalb kürzester Zeit viele Aromastoffe. Deshalb sollte Espresso immer möglichst frisch gemahlen werden. Viele Home-Baristi steigen deshalb auf sogenannte Single-Dosing-Mühlen um. Hier wird nur die tatsächlich benötigte Menge Bohnen frisch gemahlen. Das reduziert Totraum in der Mühle und sorgt für maximale Frische in der Tasse.

Wir raten immer dazu die Kaffeebohnen frisch zu mahlen. Wer aber unbedingt auf eine Mühle verzichten will, sollte beim Röster seines Vertrauens frisch gemahlenen Kaffee in möglichst kleinen Einheiten kaufen und diesen schnell verbrauchen.

Die richtige Einstellung braucht Geduld

Selbst mit einer hochwertigen Espressomühle gelingt der perfekte Espresso nicht auf Knopfdruck. Unterschiedliche Kaffeesorten, Röstungen, Luftfeuchtigkeit oder sogar die Umgebungstemperatur beeinflussen die Extraktion. Moderne Espressomühlen verfügen deshalb auch über die Möglichkeit einzelne Programme einzuprogrammieren und auf Bedarf zu starten. Qualitätsmarken wie La Marzocco oder Dalla Corte haben aber auch Espressomühlen im Angebot, die mit der Espressomaschine Daten austauschen und ihre Parameter dementsprechend anpassen können.

Fazit: Die Espressomühle ist das Fundament für guten Espresso

Die Espressomaschine steht häufig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Für die Qualität in der Tasse ist die Mühle jedoch mindestens genauso wichtig – oft sogar wichtiger. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie gleichmäßig der Kaffee extrahiert wird und wie ausgewogen der Espresso schmeckt. Wer langfristig Freude an Espresso haben möchte, sollte deshalb nicht nur in eine gute Maschine investieren, sondern der Wahl der passenden Espressomühle mindestens genauso viel Aufmerksamkeit schenken. Denn selbst die beste Espressomaschine kann nur das verarbeiten, was die Mühle zuvor liefert.

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